23.11.2018 von Lyudmila Vaseva

Bits & Bäume 2018

Ein Rückblick

Vergangenes Wochenende waren wir auf der Bits & Bäume Konferenz an der TU Berlin. Konkrete Erwartungen hatten wir nicht, wir dachten, der Name klingt lustig, es ist um die Ecke, kann man schon hingehen. Anderen ging’s auch ähnlich, denn die Veranstaltung gab es zum ersten Mal. Und alle haben sehr gute Erfahrung gemacht: Super Atmosphäre, liebevoll gemacht in so einem großen Raum wie das TU-Hauptgebäude; tolles (veganes) Essen von einer Soli-Küche-Gruppe; Raum zum Spielen, Lernen und Abhängen.

Vielen Infortmatiker_innen darf sie in einigen Aspekten dem Chaos Communication Congress erinnert haben, der CCC war ja auch einer der Mitorganisator_innen: es gab einen schönen, bunt ausgeleuchteten Innenhof, Stände, an denen man einzelne Projekte kennenlernen konnte, Sticker.

Doch das Neue daran war, dass gezielt Nerds und Umwelt-Aktivist_innen zusammengebracht wurden. Und das aus gutem Grund, denn die beiden Bereiche haben einige Berührungspunkte. Selbst Menschen, die in der Tech-Szene politisch unterwegs sind, haben sich oft mit den Umweltaspekten der Technik nicht auseinandergesetzt. Dabei gibt’s da viele wichtige Fragen: Ist fair-produzierte Elektronik überhaupt möglich? Was passiert mit meinen Altgeräten? Wie nachhaltig ist meine Webseite?

Auch für Engagierte und Expert_innen im Bereich Klima/Nachhaltigkeit waren die Informationen und Austauschmöglichkeiten, die die Konferenz anbot, sehr anregend. “Ich habe endlich verstanden, wie die Blockchain funktioniert. Es ist spannend und notwendig, sich mit den technologischen Aspekten von gesellschaftlichen Fragen zu beschäftigen. Mit der Nutzer_innenfreundlichkeit von Webseiten habe ich mich z.B. bisher nur aus einer sozialen, inklusiven Perspektive beschäftigt. Die technische und ressourcenpolitische Perspektive ist aber genauso wichtig,” sagt Evelyn, die beim Aktionsbündnis Ende Gelände aktiv ist.

Wir haben etwas zu den Herausforderungen von erneuerbaren Energien und deren Anschluss ans Stromnetz gelernt und uns wieder vor Augen geführt, wie schwierig es ist, selbst ein simples elektronisches Gerät wie die Computer-Maus komplett nachhaltig und unter fairen Arbeitsbedingungen herzustellen. Wir wissen jetzt, wie es mit dem Wald in Deutschland heutzutage so aussieht und warum an Stellen wo eine Birke wachsen sollte, eine Fichte ist. Und wir haben noch ein gutes Argument für die Nutzung von Adblockern gehört: nicht nur weil Werbung doof ist, sondern weil man mit dem Ausblenden dieser viel Strom spart.

Alle Panels und Vorträge können übrigens im CCC-Medienarchiv angesehen werden. Auf unserer Favouriten-Liste stehen CoWorkLand - Rural Coworking und Warum unser Web nachhaltiger werden muss und wie wir das anstellen!. Ganz spannend war auch das Sporangium (“ein Sonderformat mit 8 Kapseln Mikrokosmos in je 8 Minuten”), das besonders mit Legobildern zu jeder Überwachungssituation und nüchternen Tipps zum Thema Blockchain (“Frag nicht, was du für die Blockchain tust, frag, was du andere für “die Blockchain” tun lässt und ob du dabei ihre Grund- und Menschenrechte einschränkst.“) überzeugt hat.

Leider wurde mit manchen Buzzwords auch ein bisschen übertrieben, möglicherweise ziehen diese grade gut bei der Akquise von Forschungs- und Projektgeldern. Die Blockchain wird wohl eher nicht die Nachhaltigkeit und Selbstverwaltungsmöglichkeiten im Wald steigern, denn sie ist schließlich nur eine Technik der Authentifizierung, die meist auch noch ungeheuer viel Strom verbraucht. Und außerdem, wie treffend angemerkt, verwaltet sich der Wald auch wunderbar selber. Letztendlich brauchen soziale Probleme zunächst soziale und politische und erst an zweiter Linie technische Lösungen.

Insgesamt war Bits & Bäume eine inspirierende Erfahrung, die viel Motivation und Denkanstöße geliefert hat. “Es war eine sehr schöne Veranstaltung,” meint auch tunda von der CryptoParty-Bewegung und führt weiter auf dem Mikroblogging-Service Mastodon aus: “Keine Spur von Fatalismus auf der Konferenz, sondern hoffnungsvolle Blicke in eine gemeinsame Zukunft. Wo der digitale Wandel nicht mehr von den ökonomischen-, sozioökonomischen- und Demokratifragen getrennt gedacht wird. #bitsundbaeume” (https://mastodon.at/@tunda/101093452516097923).

Dem können wir uns nur anschließen und führen erstmal kleine Schritte zur Weltverbesserung bei uns selber durch. Wir hoffen, dass Bits & Bäume nächstes Jahr wieder stattfindet und auch ganz vielleicht, dass dann alle Sessions zu XXX 4.0 weggelassen werden.

PS Für alle, die doch noch genauer wissen wollen, wie eigentlich Blockchain funktioniert, empfehlen wir diesen Artikel.